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Friday, September 18, 2009

At the Gates - Slaughter of the Soul

ROCK HARD

AT THE GATES waren die Könige des Götebörg-Elchtods! Daran gibt es nichts zu rütteln, auch wenn In Flames den längeren Atem hatten und heute noch aktiv sind. Die Jungs um den unvergleichlichen Shouter Tomas Lindberg (macht euch mal den Spaß und vergleicht frühere Fotos mit jetzigen, denn da liegen offensichtlich mehrere Jahrhunderte und eine Vielzahl von Alien-Entführungen dazwischen!) waren die Ersten in der südschwedischen Metropole, die traute Maiden-Gitarren-Zweisamkeit mit Death Metal paarten.
Mit „Slaughter Of The Soul“ führten sie diese Rezeptur zur Vollkommenheit und lieferten das Album ab, das dem unübertrefflichen „Heartwork“ von Carcass am nächsten kam. Die zentralen Songs sind ´Under A Serpent Sun´ und ´Nausea´. Der kurze, deswegen aber nicht minder geniale Gitarren-Harmonie-Teil mit den barocken Vorhalten (2:11 bis 2:25) bei ´Under A Serpent Sun´ zeigt, wie ausgereift die Songwriting-Abteilung agierte. Klassischer Tonsatz und Harmonielehre waren den Jungs nicht fremd, was auch noch an anderen Ecken und Enden von „Slaughter Of The Soul“ durchschimmert. Und das zu einer Zeit, wo man Plattenverträge nachgeschleudert bekam, wenn man geschminkt Venoms ´Black Metal´ halbwegs unfallfrei über die Bühne brachte! Sehr geglückt ist der dramaturgische Kunstgriff mit dem Instrumental ´Into The Dead Sky´ in der Mitte der Scheibe, der selbst auf der CD eine Teilung in zwei LP-Seiten vorgaukelt. Das Synth-Outro von ´Need´ und das abschließende, von Keyboards dominierte Instrumental ´The Flames Of The End´ sollten nicht überbewertet werden, da eine Ausrichtung in bombastischere Tastengefilde nie wirklich zur Debatte stand.
AT THE GATES stehen in meiner „Rest In Peace“-Liste ganz oben!

ROBERT PÖPPERL

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UNHOLY TODAY

Ich weiß nicht so recht, was ich hier schreiben soll. Diese Platte ist OK, ich habe ich sie auch schon ganz oft nebenbei gehört. Viele Riffs sind klasse, mit dem typischen Göteborger Melodic Death Metal-Gesang kann ich aber weniger anfangen (wie eigentlich fast immer).

Klar ist dieses Album Kult, und historisch gesehen das erste einer Ära, die dem Metal und seinen Fans eine Menge schöner Stunden beschert hat. Es ist aber nicht so ganz mein Ding.

'blinded by fear' hat dieses riesige Riff, das macht diesen Song natürlich sofort zu etwas Besonderem. So richtig im Ohr geblieben ist sonst nicht wirklich ein Song, vielleicht noch 'cold' dank seinem großen Beginn im Stile von Metallicas Black Album. Cool finde ich auch das eigentlich ein bisschen überflüssige Outro 'the flames of the end', einfach weil es lässig und anders ist - und mutig. 'into the dead sky' ist der zweite Song, der aus dem Rahmen fällt (ein "akustisches Zwischenspiel" sozusagen), der Rest brettert weiter.

Schon teilweise cool und auf jeden Fall hörenswert, aber auch der Robert Pöpperl musste in seinem Rock Hard-Review sozusagen zugeben, dass der kurze instrumental-stampfende Moment von 'under a serpent sun' (so um 2:15 rum) eigentlich das Tollste auf der Platte ist.

Sicher gut, aber Funken sind keine übergesprungen.

SAPNISH
3.0/5.0

Thursday, August 13, 2009

Meat Loaf - Bat out of Hell

ROCK HARD

Ich muss zugeben, dass ich als 12-jähriger Bengel fast täglich mit meinem Kassettenrekorder vor dem Radio hing und permanent die Top-Hits auf Tapes kopierte. Dies führte schließlich dazu, dass mir eines Tages MEAT LOAFs damaliger Superhit ´You Took The Words Right Out Of My Mouth´ über den Weg lief und ich, von der Stimme dieses Typen sofort hingerissen, in den nächsten Plattenladen lief und mir meine allererste eigene LP kaufte: „Bat Out Of Hell“.
Ich hätte damals nicht gedacht, dass dieses Album, das den Beginn der erfolgreichen Arbeit des Duos Jim Steinman/MEAT LOAF markierte, sogar über zwei Jahrzehnte später noch zu meinen absoluten Lieblingsalben gehören würde.
Schon auf dieser Scheibe bewies Jim Steinman, der Strippenzieher im Hintergrund, sein Händchen für variantenreiches und immer pathetisches Songwriting. Dabei ist der monumentale zehnminütige Titeltrack am Anfang auch Höhepunkt und zugleich härtester Song der Scheibe. Eingeleitet von einem grandiosen Intro, führt einen dieser Track durch ein Wechselbad der Gefühle: einfühlsame Pianopassagen, die Wahnsinnsstimme des Fettkloßes, majestätische Riffs, eruptive Breaks, der tosende Refrain und immer dieser fette Groove als Gerüst.
Der oben erwähnte Single-Hit, einige wunderschöne Balladen (´Heaven Can Wait´, ´Two Out Of Three Aint´t Bad´) und das dreiteilige ´Paradise By The Dashboard Light´ sind allesamt Klasse-Songs, werden jedoch noch überragt vom Schlusstrack der Scheibe, ´For Crying Out Loud´. Zunächst sehr getragen (MEAT LOAFs Stimme wird nur von ruhigen Pianoklängen begleitet), explodiert dieser Song gegen Ende in einem dramatischen, orchestralen Finale, das seinesgleichen sucht.
„Bat Out Of Hell“ war noch nicht so sehr auf fette Verkaufszahlen ausgerichtet (obwohl es einer der größten Bestseller überhaupt werden sollte) und ist das meiner Meinung nach mit Abstand beste MEAT LOAF-Album!

HANSI DABERGER

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UNHOLY TODAY

Oh Gott, Musical Metal. Kann mir etwas Schlimmeres passieren? Nach dem "Genuss" dieses Machwerks muss ich sagen: nicht wirklich!

Unglaublich seichte Melodien, all dieser Boogie und diese Reibeisenstimme, die sich gar nicht mehr einkriegen kann. 'bat out of hell' habe ich noch mit ungläubigem Blick angehört, bei 'you took the words right out of my mouth (hot summer...)' klang es zumindest kurzzeitig wie ein altes ABBA-Album (die Saxophone und der Background-Gesang). Später habe ich dann begonnen, nebenbei meine Wohnung ein wenig aufzuräumen, aber das Getröte und Gerock'n'rolle haben mich so verwirrt, dass ich mich richtig fest angehaut habe (Küchenkasten).

Die Balladen sind auch wirklich schlimm. Und immer so viel Geklimper, Gott!

So ein unfassbarer Kitsch, vergraben unter Tonnen von noch mehr Kitsch, gepaart mit Boogie (viel), Rock (wenig) und selbst für 1977 komischen Edits/Cuts, verklebter Orchestrierung und komisch abgemischten "Rock"-Instrumenten (viel). Dazu fast ausnahmslos manisches Gehoppel, das wohl so was wie Geschwindigkeit ausdrücken soll. Achja, und dann auch die Texte. "'Cause we were barely seventeen, and we were barely dressed" - is klar, versteh ich gut.

Kann gut sein, dass das das beste Meat Loaf-Album ist. Aber diese "Rock Opern" sind einfach nicht mein Ding, es geht einfach nicht. Sorry. Das Coolste an diesem Album ist wohl noch das Cover. Das klingt jetzt alles wirklich schrecklich, vielleicht werden viele das so gar nicht nachvollziehen können. Aber ich finde all das hier so over-the-top, so zugekleistert, so gezwungen dramatisch dass ich jetzt einfach nur noch Darkthrone hören möchte.

SAPNISH
1.0/5.0

Sunday, August 9, 2009

Agnostic Front - Cause for Alarm

ROCK HARD

Nachdem sie den New York-Hardcore entscheidend mitgeprägt hatten, setzten Agnostic Front Mitte der Achtziger ungeachtet der um sie herum stattfindenden puristischen Straight Edge-Explosion auf Metalcore und packten eine enorme Speed Metal-Schlagseite in ihre Kompositionen.
„Cause For Alarm“ gilt zusammen mit einigen Frühwerken der Crumbsuckers, D.R.I., Raw Power und C.O.C. als Prototyp dieser Form des Crossover. Die Songs sind eine energiegeladene Mischung aus simplem Hochgeschwindigkeits-Metal und Hardcore. Die Schwelle zur Stumpfheit wird hierbei gern überschritten, was die gute Produktion aber weitgehend auffängt und beim frühen Speedcore eh zum guten Ton gehörte.
Leider waren AGNOSTIC FRONT aber nicht nur musikalisch Teil einer neuen Welle. Auch die Texte waren für den Hardcore-Bereich überraschend konservativ. Besonders Co-Lyriker Pete Steele (der damals mit Carnivore nicht gerade zu den liberalsten Muckern gehörte) verpasste „Cause For Alarm“ einige seltsame Aussagen. Darüber sah die zweite Hardcore-Generation aber gern hinweg, und auch AGNOSTIC FRONT bezeichneten die textliche Seite von „Cause For Alarm“ im Nachhinein als streckenweise nicht sonderlich geglückt.

JAN JAEDIKE

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UNHOLY TODAY

Bildungslücke, nächster Teil. Über traditionellen Hardcore weiß ich ja ungefähr genauso viel wie über monopodial wachsende Orchideen. Dass in diesem Album hier viel (Speed) Metal drin ist, rettet mich zumindest ein bisschen darüber hinweg, dass ich das hier nie und nimmer erkannt hätte. (Weil es, so rede ich mir ein, für Unbedarfte eben nicht total Hardcore klingt).
Hätte man mir gesagt, das sei eine 80er US Metal-Band, ich hätt's verdammt nochmal geglaubt. Das kann natürlich auch in erster Linie an dem einfach so typischen Sound liegen, der mir hier wieder ausgesprochen gut gefällt.

Überaus nett, die Scheibe - coole Riffs, Drive, und vor allem: der Sänger ist gut. Brüllwürfel (das mag Ignoranz sein) liegen mir ja eher nicht so, aber Roger Miret hat so ein passendes Timbre, das die Vocals davon ganz weit weg sind. Die Songs sind natürlich kurz und knackig, schnell und simpel. Primitiv eigentlich nicht - oder wenn, dann ist es einfach zu gut gemacht, um aufzufallen.

Auf die Texte hätte ich gar nicht gehört, wenn ich nicht schon im Vorfeld über den zweifelhaften Ruf gehört hätte. Klar, die sind furchtbar, und eine rassistische Entgleisung wie 'public assistance' kann man nicht entschuldigen. Das ist Scheiße und peinlich. Dass da der Steele seine Finger im Spiel hatte ist nicht überraschend, war er doch damals mit Carnivore in ähnlich provokativen Gefilden unterwegs. Ich setze hier "provokativen" nicht unter Anführungszeichen, weil ich ehrlich glaube, dass es provokativ gemeint ist. Steele ist einfach nur ein Spinner. Die konservativen, "republikanischen" Textteile können natürlich als solche wahrgenommen werden. Das es die auf der Platte gibt ist natürlich schade, aber ich zumindest habe sie nicht als Statement für politische Gesinnung, Geisteshaltung oder Ähnliches empfunden, sonder als stinknormales "Wir haben alles satt und der Staat ist schuld"-Gejammere, nur halt eben teilweise von der 'anderen Seite'.

Wie dem auch sei, beim nächsten Hören hab ich die Texte schon wieder nicht mehr bemerkt - es gibt nur Riffs, Geschwindigkeit und den herrlichen 80ies-Sound.

SAPNISH
3.5/5.0

Monday, July 27, 2009

Rammstein - Herzeleid

ROCK HARD

Als „Herzeleid“ erschien, ahnte noch niemand, dass dieses Album einer bis dato völlig unbekannten Band einmal zur wichtigsten deutschsprachigen Metal-Scheibe überhaupt werden würde. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten schoss das ohrenscheinlich von Laibach, Oomph! und den Krupps beeinflusste Debütwerk dank der spektakulären Live-Shows in die Charts, wo es monatelang verweilte und anschließend mehrmals einen Wiedereinstieg schaffte. Der immense Erfolg verwundert nicht, denn schließlich begründete „Herzeleid“ die Neue Deutsche Härte-Bewegung und setzt deren auch heute noch gültigen Maßstab.
Besondere Erwähnung verdient der direkt ins Mischpult eingespielte, von den beiden Gitarristen Paul und Richard mit simplen Nackenbrecher-Riffs optimal umgesetzte Gitarrensound, für den Clawfinger-Produzent Jacob Hellner verantwortlich zeichnet. Noch markanter klingen die Vocals von Till Lindemann, der bei der Ballade ´Seemann´ zwar kaum einen Ton trifft, ansonsten aber mit tiefem Sprech-Gesang und gerolltem „R“ einen völlig eigenen Stil kreiert. Mit seinen ominösen Metaphern und provokanten Texten verursachte er einen Aufschrei bei der PC-Polizei. Insbesondere die vermeintliche Vergewaltigungsglorifizierung ´Weißes Fleisch´ und der mit der Kreuzigungs-/Auferstehungssymbolik spielende Uptempo-Banger ´Asche zu Asche´ polarisierten. Zusammen mit dem famosen Opener ´Wollt ihr das Bett in Flammen sehen´, der (gefloppten) ersten Single ´Du riechst so gut´, die später noch mal neu aufgelegt wurde, dem poppigen ´Heirate mich´, dem mit irren Synthies gewürzten ´Laichzeit´ und dem morbiden ´Rammstein´ markieren sie die Höhepunkte dieses essenziellen Albums.

MARCUS SCHLEUTERMANN

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UNHOLY TODAY

Rammstein haben mich nie kalt gelassen - außer vielleicht musikalisch. Ihre Kreativität und der Sinn für Atmosphäre und ihr ganz eigener Präsentations-Stil sind einzigartig. Es gibt einige fantastische Hits auf späteren Alben, für mich ist nach einmaligem Hören davon hier auf der ersten Platte nicht so wahnsinnig viel zu finden. Klar, der Sound ist großartig, und so klingen die Gitarren hart, durchdacht und aufsehenerregend. Sind sie aber hier eigentlich gar nicht (oder nur kaum).
Manche Dinge passen einfach noch nicht recht zusammen oder sind zu - wenn man das sagen darf - "banal" (was ja sicher in vielen Fällen auf dem Album gewollt ist). Das betrifft sowohl die Musik als auch die Texte, die auf späteren Alben teilweise durchaus raffinierter (mit Ausnahme von "Laichzeit" womöglich) und faszinierender gedichtet worden sind. Achja, die Texte... Schrecklich, aber bei "heirate mich" ist kurzzeitig meine Welt stehengeblieben. Hat mich einfach ziemlich mitgenommen, und ich möchte das Lied weder jemals wieder hören noch jemals wieder daran denken. Ich schätze, Till Lindemann würde das vielleicht stolz machen. Frank Albrecht (Rock Hard) hat in seinem Original-Review 1995 sowas geschrieben wie "Geschichten von bösen Buben" - so kann man es natürlich auch irgendwie sagen, trifft es aber wirklich nicht. Anscheinend überschreiten die meisten Texte hier irgendeine meiner persönlichen Grenzen, und es ist einfach zu heftig, vielleicht auch zu banal - da es Deutsch und klar gesungen ist, kann man sich auch nicht hinter Unverständlichkeit verstecken.
Allerdings macht es hier fast nichts, weil das Album auch ohne Texte nicht so toll ist. Musikalisch ist eigentlich nichts so richtig in Erinnerung geblieben, Hits habe ich keine gehört. "asche zu asche" ist hier doch wesentlich langweiliger als live, "wollt ihr das bett in flammen sehen?" hat zumindest ein cooles Sample, welches das nette Riff ziert.
Damit kann ich natürlich die historische Bedeutung dieser Platte nicht schmälern, will ich auch nicht. Aber bei Licht betrachtet (und ohne Liveauftritte, Image und PR hinzuzurechnen) ist das zwar provokant, interessant, durchdacht, aufreizend politisch inkorrekt, hart - aber irre toll ist es nicht, und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen: uninspiriert. War es von den Künstlern nicht gemeint, klingt aber so.

SAPNISH
2.0/5.0